Alles über Prothesen: Ersatz für Arme, Beine, Augen & Co

Eine Person in einem grauen Pullover vor einem Fluss
verfasst vonValentin Kronreif
zuletzt aktualisiert am28. September 2023

Die Welt der Prothesen ist faszinierend, vielseitig und bietet eine hohe Lebensqualität und Mobilität für Menschen, die einen Teil ihres Körpers verloren haben.


Dieser Artikel behandelt die verschiedenen Arten von Prothesen, ihre Anforderungen und wie Sie die passende Prothese für sich finden können: Alles von Bein- und Armprothesen über Augen- und Brustprothesen bis zu den Herausforderungen einer Abtrennung eines Körperteils und der darauf folgenden Rehabilitation besprechen wir hier.


Entdecken Sie, wie eine Hightech-Prothese und andere Formen von Ersatzteilen den Alltag der Betroffenen bereichern.

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Prothesen

Prothesen, oft als „Ersatzteile“ für den menschlichen Körper bezeichnet, sind Anwendungen der medizinischen Wissenschaft, die es Menschen ermöglichen, verlorene Gliedmaßen (Arm und Bein), Organe, Gelenke und andere Teile des Körpers zu ersetzen.


Sie sind in ihrer grundlegenden Struktur aus einem Schaft und einem funktionalen Anteil zusammengesetzt. 


Der Schaft wird bei externen Modellen auf der Körperoberfläche angebracht und die funktionalen Anteile, wie künstliche Hände, dienen als nützliche Werkzeuge. Prothesen können aus unterschiedlichen Materialien wie Metall, Kunststoff und Keramik hergestellt werden.


Hierbei ist Titan ein beliebtes Metall. Es ist wichtig zu wissen, dass moderne Metallprothesen nicht mehr aus magnetisierbaren Metallen hergestellt werden, sodass die Träger starken magnetischen Feldern, beispielsweise im Rahmen einer MRT-Untersuchung, ausgesetzt werden können.


Übrigens: Die ersten, sehr einfachen, Beinprothesen der Geschichte gab es bereits 2.000 Jahre v. Chr. in Ägypten.

Beinprothese

Es gibt eine Vielzahl von Prothesenarten, die in 3 Hauptkategorien eingeteilt werden:

1. Exoprothesen


Exoprothesen sind jene, die außerhalb des Körpers angebracht werden und in der Regel als Ersatzteil für fehlende Gliedmaßen dienen. Beispiele hierfür sind Arm-, Hand- und Beinprothesen oder auch eine Oberschenkelprothese. 


Sie kommen nach Amputationen oder bei angeborenen Fehlbildungen der Unterschenkel etc. in Frage.

 
Exoprothesen bestehen aus einem Schaft, der an der Körperoberfläche befestigt wird, und einem funktionalen Anteil, wie zum Beispiel einer mechanischen Hand, der die verlorenen Funktionen nachbildet.

2. Endoprothesen


Endoprothesen hingegen werden im Körperinneren implantiert und verbleiben dort dauerhaft. Das Implantat dient zumeist dazu, erkrankte oder beschädigte Gelenke zu ersetzen. Beispiele hierfür sind Hüft- und Knieprothesen, die bei Gelenkerkrankungen eingesetzt werden. 


Ebenso zählen künstliche Herzklappen zu dieser Kategorie. 


Bei Endoprothesen ist der Schaft im Knochen verankert und die funktionellen Anteile imitieren die Gelenkanteile.

3. Offene Implantate


Offene Implantate bilden die 3. Kategorie. Sie werden im Körperinneren befestigt, ragen jedoch nach außen. Ein anschauliches Beispiel hierfür sind Zahnimplantate, die im Kieferknochen verankert sind und zur Befestigung von künstlichen Zähnen im Gebiss dienen. In einigen Fällen können auch Beinprothesen auf diese Weise montiert werden.

Einteilung von Prothesen nach dem Einsatzgebiet


Es ist zudem möglich, diese Wunderwerke der modernen Medizintechnik nach ihrem Einsatzgebiet zu gliedern. Hier sind insbesondere zu nennen:

  • Sportprothese

  • Alltagsprothese

  • Badeprothese

  • Ersatzprothese

  • Kosmetische Modelle

  • Arbeitsprothesen

Augenprothese

In diesem Kapitel werden die verschiedenen Arten von Prothesen, ihre Verwendung und ihre Auswirkungen auf die Lebensqualität der Benutzer erläutert.

1. Beinprothesen, Knieprothesen und Fußprothesen


Beinprothesen sind die am häufigsten verwendeten Prothesen. Sie werden nach der Amputationshöhe klassifiziert, die von einer Oberschenkelprothese bis zum vollen Beinvolumen reichen kann. 


Die individuelle Anpassung an den Benutzer gewährleistet eine möglichst gute Wiederherstellung der Beweglichkeit. 


Unterschenkelprothesen tragen einen großen Teil des Körpergewichts und müssen individuell auf den Träger eingestellt werden. Oberschenkelprothesen sind noch komplizierter, da sie mehrere Abläufe ersetzen müssen.


Fußprothesen werden nach dem Amputationsniveau benannt und umfassen Fußprothesen, Teilfußprothesen und Zehenprothesen. Sie sind grob modelliert und sorgen für einen sicheren Stand und Bewegungsfreiheit.

Handprothese

2. Armprothesen, Handprothesen und Fingerprothesen


Eine Arm- oder Handprothese ist eine Herausforderung, da sie die zahlreichen Aufgaben und Funktionen des menschlichen Arms bzw. der Hand ersetzen muss. Sie sind von der Schulter bis zur Hand in mehrere bewegliche Teile aufgeteilt, um die Funktion eines gesunden Arms möglichst gut nachzuahmen. 


Es gibt sowohl passive als auch aktive Unterarmprothesen. Passive Prothesen dienen hauptsächlich ästhetischen Zwecken, während aktive Prothesen mit feinster Sensorik ausgestattet sind, um spezifische Bewegungen ausführen zu können.


Eine Handprothese muss die Kraft und die feinsten Bewegungen ersetzen, die unsere Hände ausführen können. Es sind sogar Prothesen für einzelne Finger erhältlich, die sowohl einen ästhetischen als auch einen funktionalen Zweck erfüllen.

3. Brustprothesen


Brustprothesen sind eine wichtige Option für Frauen, die eine Mastektomie hatten. Betroffene erhalten auf diese Weise wieder mehr Selbstbewusstsein und das Körperbild einer Frau. Die Prothesen imitieren die natürliche Form und das Gefühl einer Brust und können unter der Kleidung getragen werden.

4. Augenprothesen


Augenprothesen, auch als Glas- oder Kunstaugen bekannt, dienen vorwiegend der Wiederherstellung der Gesichtsästhetik und der medizinischen Versorgung der entleerten Augenhöhle im Kopf. Sie sind ein äußerst spezialisiertes Hilfsmittel, das nur von qualifizierten Ocularisten hergestellt und angepasst werden kann.

5. Zahnprothesen


Zahnprothesen sind in zahlreichen Arten und Formen erhältlich und dienen zum Ersatz fehlender Zähne. Sie können herausnehmbar sein oder aus einer Kombination aus fest im Kieferknochen verankerten Teilen und einem abnehmbaren Teil bestehen. Ihr Zahnarzt berät Sie gerne zu den besten Optionen.

6. Weitere Prothesen


Zusätzlich zu den oben genannten gibt es auch Modelle für Ohrmuscheln und andere Körperteile. Diese Epithesen ahmen zwar die äußere Form eines Körperteils nach, können jedoch nicht die volle biologische Funktion von zum Beispiel den Gelenken ersetzen. Sie werden oft als Schmuckprothesen bezeichnet.

Knie Röntgen

Der Verlust einer Gliedmaße ist eine komplexe physische und psychische Herausforderung, die das Selbstbild und den Alltag des betroffenen Menschen erheblich beeinflusst. Ärzte, Techniker und Physiotherapeuten arbeiten eng zusammen, um den Betroffenen auf den Prozess vorzubereiten und eine möglichst effektive Rehabilitation zu ermöglichen.

1. Vorbereitung der Abtrennung eines Körperteils


Der Arzt erklärt, warum der Eingriff erforderlich ist und vor allem, was während und nach der Operation erwartet werden kann. Häufig wird auch ein Gespräch mit jemandem arrangiert, der bereits eine Amputation hatte und sich gut auf ein Leben damit eingestellt hat. Hierbei sollte jede Frage geklärt werden, die auftritt.


Im Vorfeld wird der Patient darüber informiert, welche realistischen Ergebnisse er erwarten kann. Dazu gehören Gespräche mit dem Operateur, dem Techniker und dem Physiotherapeuten über die individuellen Ziele und Fähigkeiten des Patienten und mehr. Vor der Operation wird auch ein Trainingsprogramm erarbeitet.


Für den Heilungsprozess nach der Amputation ist es wichtig, dass der Patient im Vorfeld so gesund wie möglich ist. Das bedeutet, dass er sich gesund ernähren, bestehende medizinische Leiden kontrollieren und das Rauchen aufgeben sollte. 


Gleichzeitig sollte der Patient ein individuell abgestimmtes Übungsprogramm beginnen, um seine Muskelkraft, Flexibilität und Beweglichkeit zu verbessern.

2. Festlegung der geeigneten Amputationshöhe


Die Entscheidung über die Höhe der Amputation ist ein wesentlicher Faktor, der sowohl die Prothesenwahl als auch die zukünftige Mobilität und Lebensqualität des Patienten beeinflusst. 


Ärzte berücksichtigen eine Reihe von Faktoren bei der Bestimmung der Amputationshöhe, einschließlich der Gründe für die Amputation, dem Gesundheitszustand des Patienten und den Anforderungen an die zukünftige Nutzung.


Einer der Hauptgründe für eine Amputation kann eine Durchblutungsstörung oder ein Unfall sein. In solchen Fällen wird versucht, so viel von der Gliedmaße oder dem Gelenk des Menschen wie möglich zu erhalten, um die Prothesenfunktion zu optimieren. 


Eine höhere Amputation kann jedoch notwendig sein, wenn das Gewebe nicht ausreichend durchblutet wird, um zu heilen.

3. Nach der Amputation


Nach der Operation muss der amputierte Stumpf erst abheilen. Durch Physiotherapie, Schutz des Stumpfes vor versehentlichem Trauma, Kontrolle von Schwellungen und Aufrechterhaltung der Kraft, Ausdauer und Beweglichkeit des Gelenks kann dieser Heilungsprozess unterstützt werden.


Sobald der Stumpf abgeheilt und das Flüssigkeitsvolumen relativ stabil ist, wird eine Interimsprothese angepasst. Dieser vorübergehende Ersatz ermöglicht eine zunehmende Gewichtsbelastung und Austausch von Komponenten, um den Patienten auf das Leben mit der Prothese vorzubereiten. Dieser Anpassungsprozess kann mehrere Wochen oder Monate dauern.

4. Von der Interimsprothese zur endgültigen Prothese


Der endgültige Ersatz wird angepasst, wenn sich der Umfang und die Form des Stumpfes nach etwa 12 bis 18 Monaten stabilisiert haben. Diese Prothese besteht aus hochwertigen Komponenten und ermöglicht ein größeres Maß an Mobilität und Unabhängigkeit.

5. Rehabilitation und Nachsorge


Auch nach der Anpassung der endgültigen Prothese ist eine kontinuierliche Nachsorge wichtig. Diese umfasst die Überprüfung auf Funktion, Sitz und Verschleiß, eventuelle Anpassung bei Veränderungen wie etwa der Aktivität oder des Gewichts des Betroffenen oder Anfertigung einer Zweitprothese.

Klavier spielen mit Prothese

Prothesen spielen eine entscheidende Rolle bei der Wiederherstellung der Mobilität und Lebensqualität von Menschen, die eine Amputation durchlaufen haben. Damit sie effektiv und komfortabel funktionieren, müssen Prothesen bestimmte grundlegende Anforderungen erfüllen. Sie müssen:

  • stumpfschonend sein, das heißt, sie sollten die Durchblutung nicht behindern, keine Schmerzen verursachen oder zu Verletzungen führen

  • einen Längenausgleich bewirken, das heißt, sie sollten nicht zu Fehlhaltungen führen

  • gut und verlässlich am Körper haften

  • die Kontrolle der Bewegungen ermöglichen

  • die Gebrauchssicherheit garantieren 

  • kosmetischen Anforderungen entsprechen


Eine gut angepasste Prothese sorgt für ein „reibungsloses“ Ineinandergreifen von künstlichem und erhaltenem Körperteil sowie eine ausgeglichene Druckverteilung. Hierbei müssen der Aktivitätsgrad des Patienten, sein Körpergewicht, die Eigenschaften des Stumpfes sowie des verbliebenen oder zu ersetzenden Gelenks berücksichtigt werden.


Die Befestigung der Prothese, auch als Aufhängung bezeichnet, ist ein wesentlicher Aspekt für die Funktionalität und den Komfort einer Prothese. Dabei kommen verschiedene Methoden zur Anwendung, wie Vakuum-, passive Ansaugung, Kontaktflächen mit Befestigungsstift, anatomische Aufhängung oder Seilzug und Gurte. 


Jede dieser Methoden hat ihre eigenen Vor- und Nachteile und wird je nach den individuellen Bedürfnissen und Präferenzen des Patienten gewählt.


Das äußere Erscheinungsbild der Prothese ist ebenfalls ein wichtiger Faktor, der von den Patienten berücksichtigt wird. Einige bevorzugen eine Prothese, die so nah wie möglich an das Aussehen und die Form ihrer natürlichen Gliedmaßen herankommt. 


Andere hingegen, insbesondere Sportler, bevorzugen eine minimalistische Prothese ohne kosmetische Abdeckung, da dies das Gewicht reduziert und die Leistung verbessert.


Insgesamt müssen Prothesen den Anforderungen des einzelnen Menschen gerecht werden und dabei sowohl funktional als auch komfortabel sein. Die Auswahl der geeigneten Prothese und die Einstellung ihrer Merkmale erfordert eine enge Zusammenarbeit zwischen dem Patienten, dem Arzt und dem Techniker. Hier wird nichts dem Zufall überlassen.

Kind mit Prothese

Die Auswahl und Anpassung einer Prothese ist ein aufwendiger Prozess, der eine intensive Zusammenarbeit zwischen Patienten, Ärzten, Physiotherapeuten und Orthopädietechnikern erfordert. 


Der erste Schritt ist die genaue Information und Beratung zu den möglichen Prothesenoptionen. Heutige Prothesen, ob für Arm, Bein oder Hand, werden modular aufgebaut und das Produkt kann individuell angepasst und gewartet werden.


Während des Anpassungsprozesses erstellt der Orthopädietechniker einen Abdruck der verbleibenden Gliedmaße, um daraus ein Modell zu erstellen. Verschiedene Komponenten-Kombinationen werden getestet, um die beste Balance von Komfort, Stabilität und Effizienz zu finden.


Nach mehreren Anpassungen und Tests wird die endgültige Prothese erstellt und das Hilfsmittel auf ihr äußeres Erscheinungsbild hin optimiert. Der gesamte Prozess kann bis zu 18 Termine erfordern, abhängig von der Komplexität der Prothese. In der Folge kann der Mensch durchaus auch wieder Sport treiben und vieles mehr.


Über die Entwicklung von Prothesen: Die Geschichte der Medizin hat seit den alten Griechen von vor 2.000 v. Chr. bis heute riesige Fortschritte gemacht. Bei den neuesten Hightech-Modellen, bei denen der Mensch die Prothesensteuerung über die Kraft der Gedanken erreicht, kann eine Anpassung noch länger dauern. 

Prothesen können Komplikationen verursachen, von allgemeinen postoperativen Komplikationen wie Blutungen und Infektionen bis zu spezifischen Problemen wie Phantomschmerzen und Druckstellen. Eine unzureichende Anpassung der Prothese kann zu Schmerzen und Schäden am Bewegungsapparat führen.


Auch kann es zu einer Schwellung der verbleibenden Gliedmaßen kommen, sogar Jahre nach der Operation. Ein gut passender Prothesenschaft hilft allerdings dabei, eine konstante Stumpfgröße zu erhalten. 


Vorsorge: Kompression mit elastischen Bandagen oder Strümpfen kann nützlich sein, ebenso wie eine nährstoffreiche Ernährung und ein gleichmäßiges Trainingsprogramm.


Gelegentlich kann sich eine Exoprothese lockern oder es kommt zu Verschleiß, was Hautverletzungen und Stabilitätsverlust zur Folge haben kann. 


Dies kann durch Veränderungen im Stumpf oder Probleme mit der Gel-Kontaktfläche verursacht werden. In solchen Fällen ist es wichtig, den Orthopädietechniker zur Begutachtung und Anpassung der Prothese aufzusuchen.


Schließlich berichten viele Amputierte von Phantomschmerzen, die die Lebensqualität im Alltag für Betroffene erheblich beeinträchtigen können. Diese Schmerzen sollten intensiv behandelt und ihre Ursachen gründlich untersucht werden.

Prothese mit Blumen

Prothesen gibt es für zahlreiche Körperteile, darunter Arme, Beine, Augen, Zähne und Brustprothesen. Die Art der benötigten Prothese hängt von der spezifischen medizinischen Situation des Einzelnen ab.

Die Krankenkasse übernimmt in der Regel die Kosten für grundlegende Prothesen, die den Betroffenen eine verbesserte Mobilität und Lebensqualität ermöglichen. Bei High-Tech-Prothesen kann eine Zuzahlung erforderlich sein.

Prothese und Epithese sind keine Synonyme. Prothesen ersetzen einen fehlenden Körperteil und ermöglichen die Wiederherstellung seiner Funktion, während Epithesen lediglich dazu dienen, ein fehlendes Körperteil ästhetisch zu verdecken wie Ohren oder Brüste, ohne seine Funktion wiederherzustellen.

Hinweis: Aus Gründen der besseren Lesbarkeit wird auf die gleichzeitige Verwendung der Sprachformen männlich, weiblich und divers auf anni.care verzichtet. Sämtliche Personenbezeichnungen gelten gleichermaßen für alle Geschlechter.

Auf dem Bild erscheinen sie: ein orthopädisches Bett, ein Ellenbogenpolster, eine Windel für Erwachsene, ein Stuhl, ein Caddy mit sechs Rädern
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Beinprothesen

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Valentin Kronreif · 27. Juli 2023