Alles über Rheuma: Arten, Symptome, Ernährung & Behandlung

Eine Person in einem grauen Pullover vor einem Fluss
verfasst vonValentin Kronreif
zuletzt aktualisiert am6. Oktober 2023

In diesem Artikel werden wir näher auf die verschiedenen Formen von Rheuma eingehen, ihre Ursachen und Symptome betrachten sowie mögliche Behandlungsoptionen erkunden. Ebenfalls besprechen wir die Rolle der Ernährung bei Rheuma. Anschließend beantworten wir weitere häufig gestellte Fragen.

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Rheuma

Rheuma ist kein singuläres Krankheitsbild, sondern ein Überbegriff für eine Gruppe von über 100 verschiedenen Erkrankungen des Stütz- und Bewegungsapparates. Die Krankheit zeichnet sich durch entzündliche Prozesse und Schmerzen der Gelenke, Muskeln und Sehnen aus. Betroffen sein können Menschen jeden Alters, von Kindern bis zu Senioren.


Eine genaue Ursache ist oft schwer zu bestimmen, da die Erkrankung vielfältig und komplex ist. In den folgenden Abschnitten werden die verschiedenen Formen, Krankheitszeichen und Behandlungsmöglichkeiten, wie etwa Medikamente, der Krankheit detailliert beleuchtet.

Hand schmerzt

Rheuma unterscheidet sich von seinen Ausprägungen und der Ursache. Diese teils großen Unterschiede führen dazu, dass Rheuma in verschiedene Hauptkategorien unterteilt wird. Jede dieser Kategorien hat ihre eigenen Merkmale und Herausforderungen. In diesem Abschnitt schauen wir uns kurz die 4 Hauptarten von Rheuma-Krankheiten an.

1. Entzündlich-rheumatische Erkrankungen


Unter diesem Begriff werden entzündlich-rheumatische Erkrankungen zusammengefasst, die durch eine Fehlsteuerung des Immunsystems entstehen und Entzündungen der Gelenke (Hand, Finger etc.) oder anderen Organen verursachen. Man spricht hier auch von der Gruppe der Autoimmunerkrankungen. Bekannte Rheuma-Erkrankungen dieser Kategorie sind:

  • Rheumatoide Arthritis

  • Lupus Erythematodes 

  • Morbus Bechterew


2. Degenerativ-rheumatische Erkrankungen


Diese Art von Rheuma betrifft meist Menschen im fortgeschrittenen Alter und ist auf den natürlichen Verschleiß der Gelenke zurückzuführen. Arthrose ist die bekannteste Erkrankung dieser Kategorie. Bei dieser Art verschlechtert sich die Qualität des Knorpels der Gelenke bei den betroffenen Menschen, was zu Schmerzen und Bewegungseinschränkungen führt.

3. Chronische Schmerzsyndrome des Bewegungsapparates


Hierunter fallen Erkrankungen, die durch langanhaltende Schmerzen im Stütz- und Bewegungsapparat charakterisiert sind, ohne dass eine entzündliche oder degenerative Ursache vorliegt. Das Fibromyalgie-Syndrom ist ein Beispiel für eine solche Erkrankung, bei der Patienten oft unter weit verbreiteten Schmerzen und Erschöpfung leiden.

3a. Weichteilrheumatische Erkrankungen


Manchmal werden die Weichteilrheumatischen Erkrankungen als Untergruppe betrachtet, manchmal aber auch als eigene Hauptart von Rheuma. Es kommt also darauf an, welche Definition oder welche Kategorisierung man zugrunde legt, ob man von vier oder fünf Hauptarten spricht.


Diese Art von Erkrankungen betrifft nicht die Gelenke direkt, sondern die umgebenden Weichteile, wie Muskeln, Sehnen, Bänder und Schleimbeutel. Ein häufiges Beispiel ist die sogenannte Tendinitis (Sehnenentzündung). Auch das Fibromyalgie-Syndrom kann hierunter fallen, obwohl es manchmal auch als eigenständiges chronisches Schmerzsyndrom der Knochen und Gelenke betrachtet wird.

4. Stoffwechselerkrankungen mit rheumatischen Beschwerden


In dieser Kategorie finden sich Erkrankungen, bei denen Stoffwechselprobleme zu rheumatischen Symptomen führen. Die Gicht ist hier ein prägnantes Beispiel. Durch erhöhten Harnsäurespiegel können sich Kristalle an Knochen, vor allem im Bereich der Gelenke bilden, die Entzündungen mit starken Schmerzen im Körper auslösen. Auch eine Psoriasis Arthritis kann zum Beispiel zu bekannten rheumatischen Beschwerden, wie Morgensteifigkeit führen.

Röntgen-Handgelenk

Hier sind einige häufige Krankheitszeichen, die auf Rheuma hindeuten können:

  • Gelenkschmerzen: Oftmals das erste und am häufigsten berichtete Symptom. Es kann ein oder mehrere Gelenke betreffen und entsteht meist durch eine Gelenkentzündung.

  • Gelenksteifigkeit: Besonders nach Ruhephasen oder morgens (Morgensteifigkeit) nach dem Aufwachen, was zu starken Einschränkungen führt.

  • Schwellungen der Gelenke: Rote, warme und geschwollene Gelenke können auf eine Entzündung hinweisen.

  • Muskelschmerzen: Kann oft in Kombination mit Gelenkbeschwerden auftreten.

  • Einschränkungen der Beweglichkeit im Gelenk: Schwierigkeiten, Gelenke vollständig zu bewegen oder eine allgemeine Steifheit mit dem Verlust der allgemeinen Kraft in den Knochen.

  • Müdigkeit: Ein allgemeines Gefühl von Abgeschlagenheit und Energielosigkeit, das nicht durch Ruhe verbessert wird.

  • Fieber: Kann in Kombination mit anderen Symptomen auftreten, insbesondere bei entzündlich-rheumatischen Erkrankungen.

  • Hautveränderungen: Dazu gehören Rötungen, Knoten oder Ausschläge, vor allem bei bestimmten Arten von Rheuma, die zu Schäden der Organe führen können.

  • Trockene Augen oder Mund: Ein Symptom, das mit bestimmten rheumatischen Erkrankungen, wie dem Sjögren-Syndrom in Verbindung steht.


Es ist wichtig zu betonen, dass diese Beschwerden auch bei anderen Erkrankungen, wie Arthritis oder auch Herz-Kreislauf-Erkrankungen auftreten können. Wenn jemand eine Kombination an Symptomen dieser Art der Beschwerden feststellt, ist es ratsam, spezialisierte Mediziner, z.B. für Innere Medizin, aufzusuchen, um eine genaue Diagnose zu stellen, andere Krankheiten auszuschließen und entsprechende Empfehlungen zu erhalten.

Ein Rheuma-Selbsttest kann hilfreich sein, um erste Anzeichen einer rheumatischen Erkrankung zu identifizieren. Ein solcher Test ersetzt jedoch keine ärztliche Untersuchung. Der Test dient lediglich als Leitfaden, um festzustellen, ob man den Arzt aufsuchen sollte.

Rheuma Selbsttest

Beantworten Sie sich folgende Fragen:

  1. Habe ich regelmäßig Gelenkschmerzen, speziell nach dem Aufwachen am Morgen?

  2. Fühlen sich meine Gelenke, z. B. die Hände oder Finger oft steif an, vor allem nach längerer Inaktivität?

  3. Sind eines oder mehrere meiner Gelenke geschwollen, rot oder warm?

  4. Habe ich Muskelschmerzen ohne einen ersichtlichen Grund wie Überanstrengung?

  5. Fühle ich mich oft müde und erschöpft, selbst nach ausreichend Schlaf?

  6. Habe ich wiederholt unerklärliches Fieber erlebt?

  7. Gibt es Hautveränderungen, Knoten oder Ausschläge, die ich nicht zuordnen kann?

  8. Habe ich Beschwerden wie trockene Augen oder einen trockenen Mund ohne erkennbaren Grund?

  9. Haben Familienmitglieder eine Diagnose von Rheuma oder einer verwandten Erkrankung?


Wenn Sie auf einige dieser Fragen mit „Ja“ geantwortet haben, könnte dies ein Anzeichen für eine rheumatische Erkrankung, wie etwa rheumatoide Arthritis sein. 


In diesem Fall ist es ratsam, einen Arzt aufzusuchen und weitere Untersuchungen vornehmen zu lassen. Ein Rheumatologe ist speziell in der Diagnose und Behandlung von Rheuma geschult und kann individuelle Ratschläge und Empfehlungen geben.

Genetische Faktoren

Die genauen Auslöser von Rheuma sind vielfältig und oft nicht eindeutig definiert. In vielen Fällen spielt das Immunsystem eine Rolle, das körpereigenes Gewebe angreift und so entzündliche Reaktionen auslöst. 


Genetische Faktoren können das Risiko erhöhen, während Umweltfaktoren wie Infektionen oder Verletzungen einen Ausbruch begünstigen können. Das Alter spielt nicht zwingend eine Rolle, da auch Kinder betroffen sein können.


Hormonelle Veränderungen, insbesondere bei Frauen, und bestimmte Lebensstilfaktoren, wie Rauchen können ebenfalls zur Entwicklung beitragen. 


Obwohl die genauen Gründe variieren können, ist es wichtig zu betonen, dass Rheuma nicht durch Kälte oder Feuchtigkeit verursacht wird, wie manchmal angenommen wird.


Die Diagnose von Rheuma basiert auf einer Kombination aus Patienten-Anamnese, körperlicher Untersuchung und speziellen Tests. 


Ärzte achten dabei auf typische Beschwerden und Veränderungen in den Gelenken oder anderen betroffenen Körperbereichen. 


Bluttests können Entzündungsmarker oder spezifische Antikörper aufdecken, die für bestimmte rheumatische Erkrankungen charakteristisch sind.


Bildgebende Verfahren wie Röntgen, Ultraschall oder MRT können Gelenkveränderungen bei Betroffenen sichtbar machen. 


Eine genaue Diagnose ist entscheidend, um die am besten geeignete Behandlung zu wählen und langfristige Komplikationen zu vermeiden.

Rheuma ist eine komplexe Erkrankung, deren Behandlung sich nach der genauen Diagnose, dem Schweregrad und den individuellen Bedürfnissen des Patienten richtet. Der Hauptfokus liegt auf der Linderung von Schmerzen, der Verringerung von Entzündungen und dem Erhalt der Gelenkfunktion. Hier sind die gängigsten Therapieansätze:


1. Medikamentöse Therapie


Die medikamentöse Behandlung umfasst entzündungshemmende Medikamente (NSAR), Kortikosteroide und Disease-Modifying Antirheumatic Drugs (DMARDs). Biologika, eine neuere Klasse von Medikamenten, blockieren spezifische Teile des Immunsystems, die an der Entzündung im Gelenk beteiligt sind.


2. Physikalische Therapie


Physiotherapie kann helfen, die Beweglichkeit zu erhalten und die Muskulatur zu stärken. Ergotherapie bietet Strategien, um Alltagsaufgaben trotz Gelenkbeschwerden zu bewältigen.


3. Chirurgische Eingriffe


In schweren Fällen, wenn die Gelenke stark beschädigt sind, können operative Eingriffe wie Gelenkersatzoperationen notwendig sein.

4. Alternativmedizin


Einige Patienten berichten über eine Linderung ihrer Krankheitssymptome durch Akupunktur, Chiropraktik oder andere alternative Behandlungen. Es ist jedoch wichtig, solche Ansätze mit einem Rheumatologen zu besprechen.


Eine frühzeitige Diagnose und Behandlung kann helfen, die Beschwerden zu kontrollieren und langfristige Schäden zu minimieren.

Gesunde Lebensmittel

Die Ernährung kann einen bedeutenden Einfluss auf die Auswirkungen von Rheuma für Betroffene haben. 


Eine ausgewogene Kost, reich an Omega-3-Fettsäuren, Antioxidantien und Ballaststoffen, kann entzündungshemmend wirken. Fisch, Nüsse und Vollkornprodukte sind empfehlenswert.


Einige Betroffene berichten auch von einer Linderung ihrer Krankheitszeichen durch den Verzicht auf entzündungsfördernde Lebensmittel wie rotes Fleisch, weißes Mehl, glutenhaltige Lebensmittel, Transfette und Alkohol.

Hier sind fünf Tipps, die den Alltag für Menschen mit Rheuma erleichtern können:


1. Bewegung ist wichtig: Auch wenn es manchmal schmerzt, regelmäßige, moderate Bewegung hält die Gelenke geschmeidig. Schwimmen, Radfahren oder Yoga sind besonders gelenkschonende Aktivitäten. Bei Schmerzen kann Physiotherapie helfen.


2. Gesunde Ernährung: Eine ausgewogene Ernährung, die reich an Omega-3-Fettsäuren, Antioxidantien und Vitaminen ist, kann Entzündungen reduzieren. Verzicht auf entzündungsfördernde Nahrungsmittel, wie oben genannt, kann ebenfalls helfen.


3. Stressreduktion: Chronischer Stress kann Entzündungen im Körper verstärken. Techniken wie Meditation, Tiefenentspannung oder Atemübungen können beim Stressmanagement im Alltag unterstützen.


4. Ergonomische Hilfsmittel: Es gibt viele Werkzeuge und Hilfsmittel, die den Alltag erleichtern. Von ergonomischen Bestecken bis zu Schuheinlagen – sie können dabei helfen, den Körper zu unterstützen, Gelenkbelastungen zu reduzieren und die Lebensqualität zu erhöhen.


5. Regelmäßige Arztkonsultationen: Es ist wichtig, regelmäßige Check-ups bei einem Rheumatologen durchzuführen, um den Krankheitsverlauf zu überwachen und die Behandlung gegebenenfalls anzupassen. Auch der Austausch in Selbsthilfegruppen kann wertvolle Unterstützung bieten.

Häufige Fragen zu Rheuma

Ihr Hausarzt kann erste Anzeichen von Rheuma identifizieren. Für eine genaue Diagnose wird er Sie wahrscheinlich an einen Rheumatologen überweisen. Eine frühzeitige Erkennung kann langfristige Komplikationen für Betroffene vermindern.

Bestimmte Bluttests können auf Rheuma hinweisen. Entzündungsmarker wie das C-reaktive Protein sind oft erhöht. Doch nicht alle Rheumaformen lassen sich so nachweisen.

Arthrose bezieht sich auf den Verschleiß eines Gelenks. Rheuma hingegen beschreibt entzündliche Gelenkerkrankungen. Die Ursachen und Krankheitssymptome der beiden Erkrankungen unterscheiden sich.

Rheumatoide Arthritis und andere Arten können mit einem Mangel an bestimmten Nährstoffen einhergehen. Besonders Vitamin D und Omega-3-Fettsäuren sind häufig betroffen. Eine ausgewogene Ernährung kann solche Mängel vermindern.

Ein Rheumaschub kann sich durch verschiedene Symptome ankündigen. Häufig treten verstärkte Schmerzen, Schwellungen und Müdigkeit auf. Es ist wichtig, auf solche Anzeichen zu achten.

Gegen Rheuma, wie etwa rheumatoide Arthritis, helfen verschiedene Ansätze. Medikamente können Symptome der Krankheit lindern und Entzündungen der Organe oder im Gelenk hemmen. Zudem sind Physiotherapie und eine angepasste Lebensweise für Betroffene sehr empfehlenswert.

Es gibt Faktoren, die Rheuma verschlimmern können. Dazu gehören Stress, falsche Ernährung und Überanstrengung. Ein gesunder Lebensstil und die passenden Medikamente können die Beschwerden reduzieren.

Sport kann bei rheumatischen Erkrankungen positive Effekte haben. Sanfte Sportarten wie zum Beispiel Schwimmen oder Yoga sind besonders geeignet. Sie stärken die Muskulatur der Hände, Finger und andere Regionen und fördern die Beweglichkeit.

Manche Rheuma-Patienten profitieren von Wärmeanwendungen. Andere Betroffene wiederum finden Kälte bei akuten Schmerzen hilfreich. Jeder Patient sollte herausfinden, was ihm persönlich am besten hilft.

Bestimmte Nahrungsmittel können rheumatische Erkrankungen und eine Entzündung in den Gelenken negativ beeinflussen. Dazu gehören z.B. Zucker, Alkohol und rotes Fleisch. Es ist ratsam, solche Lebensmittel in Maßen zu genießen.

Es gibt genetische Faktoren, die das Risiko für Rheuma bei manchen Menschen erhöhen. Doch nicht jede Form von Rheuma ist genetisch bedingt. Eine direkte Vererbung ist nach aktuellem Stand der Medizin zumindest nicht gegeben.

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