Diabetische Polyneuropathie: Symptome, Behandlung & Prognose

Eine Person in einem grauen Pullover vor einem Fluss
verfasst vonValentin Kronreif
zuletzt aktualisiert am12. Oktober 2023

Die diabetische Polyneuropathie ist eine häufige Komplikation von Diabetes, die die Nerven im Körper betrifft. Sie entwickelt sich im Laufe der Zeit aufgrund der langanhaltenden Auswirkungen hoher Blutzuckerspiegel und birgt zahlreiche Herausforderungen im Alltag. In diesem Artikel erfahren Sie alles Wissenswerte über Symptome, Ursachen, Diagnose, Behandlung und Prävention der diabetischen Polyneuropathie. Hier werden Ihnen häufige Fragen beantwortet.

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Diabetische Polyneuropathie

Definition: Was ist eine diabetische Polyneuropathie?

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Die diabetische Polyneuropathie ist eine ernstzunehmende neurologische Erkrankung, die häufig als Folgekomplikation bei Patienten mit Diabetes auftritt. 


Sie entsteht hauptsächlich aufgrund anhaltend hoher Blutzuckerspiegel, die die kleinen Blutgefäße beeinträchtigen und dadurch Schäden an den peripheren Nerven verursachen.


Obwohl besonders die unteren Extremitäten, insbesondere Beine und Füße, am stärksten betroffen sind, können auch andere Körperbereiche wie Hände oder innere Organe in Mitleidenschaft gezogen werden. 


Bei der Entstehung spielen neben dem Blutzuckermanagement weitere Faktoren eine Rolle. Dazu gehören genetische Dispositionen, das Vorhandensein anderer mikrovaskulärer Erkrankungen, hoher Blutdruck sowie chronische Niereninsuffizienz.


Die Diagnose ist besonders wichtig, da die Krankheit, wenn sie nicht frühzeitig erkannt und behandelt wird, zu irreversiblen Schäden und schweren Beeinträchtigungen im täglichen Leben führen kann.

Schaubild-Nervenzellen-Gehirn

Symptome & Anzeichen: Wie macht sich eine diabetische Polyneuropathie bemerkbar?

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Die Symptome der diabetischen Polyneuropathie können vielfältig sein und in unterschiedlicher Intensität und Form auftreten:

  • Häufig klagen Patienten zu Beginn über ein Taubheitsgefühl, vor allem eine Störung der Empfindungsfähigkeit in den Füßen und im Unterschenkel.

  • Mit der Zeit können Beschwerden oder ein Berührungs-Schmerz hinzukommen, der sich als brennend, stechend oder auch als kribbelnd beschreiben lässt.

  • Veränderungen im Empfindungsvermögen, vornehmlich in den Extremitäten, sind ebenso typische Anzeichen.

  • In einigen Fällen berichten Patienten auch von Magen-Darm-Beschwerden, da es auch zu einer Nervenschädigung im Magen-Darm-Trakt kommen kann.

  • Des Weiteren können bei einem Diabetiker Muskelprobleme wie Muskelschwäche oder Gangunsicherheit auftreten. 


Die Symptome können sich im Laufe der Zeit verstärken, vor allem wenn die Blutzuckereinstellung unzureichend ist. Daher ist es unerlässlich, Veränderungen frühzeitig zu erkennen und mit einem Arzt oder einer Ärztin bzw. einem Spezialisten darüber zu sprechen.

Ursachen: Wie entsteht eine diabetische Polyneuropathie?

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Der Hauptauslöser für das Auftreten dieser Erkrankung ist ein langanhaltend erhöhter Blutzuckerspiegel..


Die hohen Zuckerwerte im Blut schädigen mit der Zeit die kleinen Blutgefäße, welche die Nerven versorgen. 


Diese Schädigung der Blutgefäße bewirkt, dass Nervenbahnen nicht mehr ausreichend mit Nährstoffen und Sauerstoff versorgt werden und dadurch Nervenschäden im gesamten Nervensystem entstehen können.


Nicht nur durch den Blutzucker selbst, sondern auch durch schwankende Blutzuckerwerte kann eine Schädigung am Nervensystem entstehen. 


Zudem spielen Faktoren wie die Dauer des Diabetes, hoher Blutdruck und Fettstoffwechselstörungen eine Rolle bei der Entstehung der Nervenschäden und damit einer diabetischen Neuropathie. 


Nicht zuletzt können genetische Faktoren und der Konsum von Alkohol und Tabak das Risiko für Herz-Kreislauf-Probleme und die Entwicklung einer Neuropathie erhöhen.

Schaubild Folgeerkrankungen diabetische Neuropathie

Die Beeinträchtigung der Nerven und des ganzen Nervensystems kann zu einer Vielzahl von Komplikationen im Körper führen. 


Die häufigste und am meisten gefürchtete Komplikation einer Diabetes Typ 2 Neuropathie ist der diabetische Fuß. Aufgrund des reduzierten Schmerzempfindens in diesem Bereich können Verletzungen am Fuß unbemerkt bleiben und sich an diesen Stellen entzünden. Ohne rechtzeitige Heilverfahren kann dies in schweren Fällen sogar zu einer Amputation führen.


Weiterhin kann es zu Verdauungsproblemen kommen, wenn die Nerven, die den Magen und Darm steuern, beeinträchtigt sind. Dies wird als Gastroparese bezeichnet. 


Zudem können sexuelle Dysfunktionen und Harninkontinenz entstehen, wenn die betroffenen Nerven die Blase und den Bereich der Geschlechtsorgane beeinflussen.


Ein weiteres ernstes Problem ist die autonome Neuropathie. Dabei sind die Nerven betroffen, die das Herz steuern, was zu Herzrhythmusstörungen, weiteren Problemen im Herz-Kreislauf-System und anderen Erkrankungen führen kann.

Diagnostik: So wird eine diabetische Polyneuropathie festgestellt

Abschnitt mit dem Namen Diagnostik: So wird eine diabetische Polyneuropathie festgestellt

Die richtige Diagnose ist entscheidend, um die bestmögliche Therapie zu gewährleisten. Bei Verdacht auf Schädigungen des Nervensystems durch Typ 1 oder 2 Diabetes werden verschiedene Tests und Untersuchungen durchgeführt:

  1. Klinische Untersuchung: Der Arzt wird eine körperliche Untersuchung durchführen, bei der die Reflexe, das Gefühl und eine mögliche Muskelschwäche getestet werden.

  2. Nervenleitgeschwindigkeit: Dieser Test misst, wie schnell elektrische Signale durch die Nerven geleitet werden. Eine verlangsamte Leitgeschwindigkeit kann auf Nervenkrankheiten hinweisen.

  3. Elektromyographie (EMG): Hierbei werden kleine Nadeln in die Muskeln eingeführt, um die elektrische Aktivität zu messen. Abnormale Ergebnisse können auf eine Neuropathie hinweisen.

  4. Quantitative sensorische Tests: Diese Tests messen die Nervenreaktion auf Vibrationen und Temperaturveränderungen.

  5. Autonome Tests: Diese Tests überprüfen, wie die Nerven die Körperfunktionen bei den betroffenen Menschen, wie Herzschlag oder Blasenfunktion, beeinflussen.

Nervenenden

Therapie & Behandlung von diabetischer Polyneuropathie

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Die Therapie zielt in erster Linie darauf ab, den Blutzuckerspiegel zu kontrollieren, um das Fortschreiten der Erkrankung zu verhindern. Eine Therapie, insbesondere die korrekte Blutzuckereinstellung, dient aber auch dazu, den Schmerz zu lindern und dem Patienten sonstige Beschwerden zu nehmen. Hier sind einige gängige Therapieansätze:

  1. Blutzuckerkontrolle: Die richtige Blutzuckereinstellung kann helfen, die Progression der diabetischen Neuropathie zu verlangsamen und die Symptome der Menschen zu lindern.

  2. Medikamente: Schmerzmittel, Antidepressiva und Antikonvulsiva können bei der Linderung von Schmerzen und anderen Beschwerden helfen.

  3. Physiotherapie: Durch gezielte Übungen kann die Mobilität verbessert und Schmerzen reduziert werden.

  4. Elektrische Nervenstimulation: Diese nicht-invasive Methode kann helfen, Schmerzen zu reduzieren und die Nervenfunktion zu verbessern.

  5. Alternative Therapien: Akupunktur und Biofeedback können in einigen Fällen ebenfalls Linderung bringen.

Bei frühzeitiger Erkennung von Polyneuropathien und angemessener Behandlung kann die Progression der Nervenschädigung oft verlangsamt oder gar gestoppt werden. 


Das Hauptziel ist es, den Blutzuckerspiegel stabil zu halten, um zukünftige Schädigungen und andere Krankheiten zu vermeiden. 


Menschen, die an einer diabetischen Polyneuropathie leiden und proaktiv ihre Gesundheit verwalten und ärztliche Empfehlungen befolgen, haben eine bessere Prognose!


Allerdings können fortgeschrittene Stadien der Erkrankung irreversible Schäden verursachen. Bei einigen Betroffenen kann es zu chronischen Schmerzen, Behinderungen oder sogar zu schwerwiegenden Komplikationen wie Fußgeschwüren kommen, die in schweren Fällen eine Amputation erfordern können.


Es ist daher entscheidend, bei den ersten Anzeichen medizinischen Rat einzuholen und die erforderlichen Anpassungen im Lebensstil vorzunehmen, um die bestmöglichen Ergebnisse zu erzielen.

Wie kann man einer diabetischen Polyneuropathie vorbeugen?

Abschnitt mit dem Namen Wie kann man einer diabetischen Polyneuropathie vorbeugen?

Prävention spielt eine entscheidende Rolle:

1. Blutzuckermanagement: Im Kontext des Diabetes Mellitus ist ein gut eingestellter Blutzuckerspiegel der Schlüssel, um Nervenschäden vorzubeugen. Hierzu muss das Blut regelmäßig getestet werden.

2. Fußpflege: Regelmäßige Kontrollen der Füße auf Verletzungen, Blasen oder Schwellungen können helfen, schwerwiegende Komplikationen zu verhindern.

3. Nichtrauchen: Rauchen verschlechtert den Blutfluss in den Beinen und Füßen, wodurch Wunden schlechter heilen.

4. Regelmäßige Kontrollen: Ein routinemäßiger Check-up beim Arzt ermöglicht es, Probleme frühzeitig zu erkennen und gegenzusteuern.

5. Ausgewogene Ernährung und Bewegung: Ein gesundes Gewicht und regelmäßige körperliche Aktivität können das Risiko reduzieren und die allgemeine Gesundheit fördern.

Häufige Fragen Diabetische Polyneuropathie

Oftmals beginnt die Erkrankung mit Kribbeln oder Taubheitsgefühlen in den Extremitäten, besonders in den Füßen. Zudem können Brennen und Schmerzen auftreten. Mit der Zeit können diese Symptome intensiver werden oder sich auch auf andere Körperregionen ausdehnen.

Laut derzeitigem Stand gibt es keine Heilung für diese spezifische Form der Nervenstörung. Es ist jedoch möglich, den Verlauf positiv zu beeinflussen und Schmerzen und andere Symptome zu lindern. Ein gutes Diabetes-Management ist dabei essenziell.

Regelmäßige Kontrollen distal gelegener Regionen am Körper (Beine, Füße), gerade im Alter, ein gesunder Lebensstil und das Meiden von Risikofaktoren können helfen. Ferner ist es ratsam, medizinische Ratschläge und Informationen einzuholen und diese konsequent zu befolgen. Auch spezielle Übungen können bei der Symptomlinderung helfen.

Medikamente, Physiotherapie und alternative Therapieansätze wie Akupunktur können zur Linderung von Schmerzen beitragen. Fußpflege und spezielle Schuhe können ebenfalls helfen. Es ist wichtig, individuell die beste Therapieoption zu finden.

Neurologische Untersuchungen, Nervenleitgeschwindigkeitstests und spezielle Bluttests können Aufschluss über das Vorhandensein einer diabetischen Polyneuropathie geben. Auch die Untersuchung der Fußreflexe und die Überprüfung des Vibrationsempfindens sind hilfreich. In einigen Fällen kann auch eine Nervenbiopsie notwendig sein.

Hohe Blutzuckerwerte im Körper über längere Zeiträume schädigen die Nervenfasern der Patienten. Der erhöhte Blutzucker führt in der Folge zu einer gestörten Signalübertragung, Entzündungen und letztlich zum Verlust von Nervenfunktionen. Das Risiko für eine diabetische Neuropathie steigt mit der Dauer und Schwere des Diabetes.

In sehr fortgeschrittenen Fällen kann eine diabetische Neuropathie die Mobilität stark einschränken. Dies geschieht jedoch mit sehr geringer Häufigkeit und in der Regel nur, wenn die Erkrankung bei diesen Menschen nicht adäquat behandelt wird. Präventive Maßnahmen und frühzeitige Behandlung können solche schwerwiegenden Folgen vermeiden.

Ob ein Grad der Behinderung bei einer diabetischen Polyneuropathie vorliegt, hängt vom Schweregrad der Erkrankung und den individuellen Einschränkungen ab. In Deutschland kann ein Grad der Behinderung (GdB) festgestellt werden, wenn die Erkrankung das tägliche Leben beeinträchtigt. Dies muss jedoch individuell geprüft und von einem Amtsarzt festgestellt werden. Informationen erhalten Sie bei Ihrer Krankenkasse.

Rauchen, Alkoholkonsum, bestimmte Medikamente und eine schlechte Einstellung beim Blutzucker können eine diabetische Neuropathie verschlechtern. Ebenfalls können physische Verletzungen oder Infektionen einen negativen Einfluss auf die Patienten haben. Regelmäßige Kontrollen und eine gute medizinische Betreuung sind daher unerlässlich.

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